Die Leere

Ich sitze hier. Ich merke, dass ich nichts mehr merke.
Alles in mir steht still, und gleichzeitig ist da diese Enge.
Ich will schreien, doch die Stimme bleibt zwischen den Rippen hängen.
Ich will laufen, irgendwas fühlen, irgendwas tun – aber mein Körper weigert sich.
Er wartet. Auf was? Dass es vorbeigeht?
Es geht nicht vorbei.

Ich kenne diese Leere.
Sie ist alt, sie war schon da, als ich noch dachte, ich könnte sie verstehen.
Sie kommt langsam, wie Nebel, legt sich auf alles, bis selbst Erinnerungen dumpf klingen.
Ich klebe immer wieder Poster auf mich. Kleine Stücke von Bedeutung, Hoffnung, Kreativität.
Alles, was mich noch irgendwie festhalten lässt.
Aber irgendwann fällt jedes Stück ab.
Und darunter bleibt nichts.
Nichts als das große, weite Nichts.

Und trotzdem sitze ich da – starr, aber innerlich rennend.
Ich will die Leere wegmachen. Ich will mich spüren.
Doch alles, was ich anfasse, wird wieder still.
Wie Wasser, das man zu lange rührt, bis es glatt ist.
Leere ist kein Frieden.

Sie bleibt, wenn alles andere aufgehört hat.
Wenn selbst der Schmerz zu müde wird.
Ich weiß, dass am Ende Ruhe kommt.
Aber diese Ruhe ist keine, die man will.

Sie ist einfach da.
Und ich bin noch da.
Aber zählt das?

Die Erstarrung

Die Erstarrung liegt wie Blei in mir.
Sie drückt, sie schnürt, sie macht mich unruhig, weil ich sie erkenne.
Ich will mich bewegen, etwas tun, nur um sie zu vertreiben.
Aber nichts bringt Energie, keine Freude, keine Ablenkung.
Ich kämpfe gegen die Stille, gegen das Nichts, gegen mich selbst – und merke: der Kampf ändert nichts.

Trotzdem trägt diese Erstarrung etwas in sich: eine Gewissheit, dass am Ende Ruhe kommt.

Aber sie ist kein Trost.
Nur Atmen. Weitergehen. Warten.
Ich bin noch da, mitten drin, und weiß nicht, wie lange noch.

Isolation

Ich bin hier, aber gleichzeitig nicht.
Alles außerhalb ist weit weg.
Alles, was mich berührt, hält nicht.
Die Poster fallen ab, egal wie sehr ich sie festhalte.
Und darunter bleibt diese Weite, die sich nicht füllen lässt.
Ich sehe Menschen lachen, leben, tun – und es ist Licht hinter Glas, hinter einer Wand, die ich nicht durchbrechen kann.
Meine Hände greifen nach dem Leben, nach Momenten, nach Bedeutung – und sie gleiten durch meine Finger.

Alles, was ich festhalte, bleibt flüchtig.
Alles, was ich bin, ist diese Leere, in der ich mich bewege, dieser endlose Raum ohne Halt.
Und trotzdem existiert etwas in mir, das weitergeht, auch wenn ich nicht weiß, wohin.

Ich sitze, ich warte, ich atme – ein stilles Sein, das weder Trost noch Antwort hat.
Nur das Sein selbst, ungeschönt, unaufgelöst, leer.


Gedanken zum Mitnehmen

Heute gibt es keine Ablenkung von der Leere.
Kein Song, keine Aktivität, kein schönes Bild.
Nur das Sitzen mit dem, was ist.
Und das Schreiben, um es sichtbar zu machen.

Für dich. Für mich. Für alle, die es fühlen.

Musik für den Moment

keine Playlist, nur Stille

Abschluss

Wenn du das liest, vielleicht erkennst du dich darin.
Vielleicht spürst du: du bist nicht allein.
Vielleicht willst du mir oder jemand anderem in den Kommentaren schreiben, dass du auch da bist, dass du auch fühlst.

Kein Trost, kein „es wird alles gut“.
Nur: da sind andere, und sie sehen dich.

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